40 Jahre Nissan Micra

Schlagwörter
Die Neuesten Beiträge
Autoguru.at auf Facebook

Anfang der 80er-Jahre war Nissan, damals bekannt unter dem Namen Datsun, in Österreich mit vielen Modellen vertreten, jetzt feiert der Micra seinen 40. Geburtstag.

Nissan, gegründet 1933, ist ein Großkonzern, der in vielen Sparten tätig ist. Unter anderem auch im 2. Weltkrieg in der Rüstungsindustrie. Und dadurch hatte der Name Nissan einen etwas schalen Beigeschmack. Daher bediente man sich auf den Märkten außerhalb Japans des Namens der Firma Datsun, die von Anfang an  ein Teil von Nissan war. Auf jedem Datsun, der verkauft wurde, war aber trotzdem auch immer die Bezeichnung „by Nissan“ zu finden. Um 1983, dem 50-jährigen Firmenjubiläum, rückte der Name Nissan letztlich wieder in den Vordergrund und so wurde zum Beispiel der Datsun Cherry zum Nissan Cherry.

(c) Stefan Gruber

Vor 40 Jahren bedienten Bluebird und Stanza die Kunden der Mittelklasse, darüber war die Limousine Laurel mit 6-Zylinder-Motoren angesiedelt, Geländewagenfahrer bestellten den Patrol, für Sportwagenfahrer war der 280 ZX im Angebot, und in der Kompaktklasse konnte man zwischen den Modellen Sunny und Cherry wählen. Eine Sonderstellung übernahm der Nissan Prairie, der mit seinem revolutionären Raumkonzept die Klasse der kompakten Minivans gegründet hat.

Immer größer und größer? Nein. Small is beautiful.

Auch schon vor 4 Jahrzehnten wurden die Fahrzeuge von Modellwechsel zu Modellwechsel immer größer. Der Cherry N12, Modelljahr 1982, ist in der Länge auf 3,96m gewachsen. Sein Urahn, der Cherry 100A von 1972, ist mit 3,61m Außenlänge gute 40 cm kürzer. Daher wuchs ein Bedarf an günstigen und kleinen Fahrzeugen. So etablierte sich unter der Kompaktklasse mit Vertretern wie Golf, Kadett, Escort oder Cherry, die Subcompact-Klasse mit Polo, Corsa, Fiesta und eben auch Micra.

(c) Stefan Gruber

08 15? Nein, NX 018. Der erste Micra, der K10

Der Micra, in Japan March genannt, debütierte im Herbst 1981 als NX 018 auf dem Tokioter Autosalon. 

(c) Stefan Gruber

Nach dem schwülstigen Japanbarock der 70er-Jahre, besticht der Micra mit einem klaren, schnörkellosen, sachlichen und praxisorientierten Design. Einem Design, das viel Platz, exzellente Rundumsicht und somit Sicherheit und leichte Bedienbarkeit mit sich bringt. Es kursieren unbestätigte Gerüchte, dass die Gestaltung des Micra vom Automobildesigner Giorgio Giugiario stammt.

Sicherheit und Komfort durch  Fortschritt

Auf 3,64 m Außenlänge ist ein komfortabler, gut ausgestatteter, wendiger – Wendekreisdurchmesser von nur 8,8m! – universell einsetzbarer Kleinwagen auf die Straßen gekommen, der auch überland auf längeren Strecken gute Figur macht. 70 dB im Innenraum bei 100 km/h; ein derart niedriger Wert war damals auch in Mittelklassewagen nicht selbstverständlich.

(c) Stefan Gruber

Der Micra hat  Frontantrieb, verfügt über ein Breitspurfahrwerk und einen Radstand von 2,30 m. Dieser ist im Verhältnis zur Fahrzeuglänge überdurchschnittlich groß. Das ermöglicht im Innenraum auch für die Fondpassagiere großzügige Platzverhältnisse und ein stabiles Fahrverhalten  bei höheren Geschwindigkeiten. 

An der Vorderachse sind die Räder einzeln aufgehängt mit McPherson-Federbeinen, die Hinterachse ist eine vierfach geführte Starrachse an Längs- und Schräglenkern mit Federbeinen. Die Auslegung des Fahrwerks ist eher straff, das ist der Sicherheit geschuldet. Durch den negativen Lenkrollradius an der vorderen Radaufhängung bleibt der kleine Nissan auch bei Vollbremsungen auf unterschiedlicher Fahrbahnoberfläche spurstabil.

(c) Nissan

Prinzipiell waren die Fahrwerke japanischer Autos vorheriger Generationen eher simpel ausgeführt und vermittelten bei höheren Geschwindigkeiten ein schwammiges und indifferentes Fahrgefühl.

Bei jedem neuen Modell Anfang der 80er, so wie hier beim ersten Micra, wurde kein einziges Detail von bisher bekannten Fahrzeugen übernommen, sondern alles von Grund auf neu konzipiert und konstruiert. Revolution statt Evolution!

Größe durch Leichtigkeit

Die Kraft liefert der komplett neu entwickelte 998 ccm Vierzylinder-Leichtmetallmotor. Er verfügt über eine obenliegende Nockenwelle, arbeitet nach dem Querstromprinzip – hier sind sich die Ein- und Auslassventile gegenüber. Dieses Querstromprinzip sorgt für eine hohe Wirbelbildung des Gemisches im Ansaugtrakt. Die Zündkerzen sind beinahe zentral im Zylinderkopf angeordnet und die Brennräume halbkugelförmig ausgebildet. Das alles lässt eine hohe Verdichtung von 10,3:1 zu, sodass der Motor sehr effizient arbeiten kann.

(c) Stefan Gruber

Das ermöglicht eine Höchstgeschwindigkeit von 140km/h, eine Beschleunigung von 0-100 km/h in 16,9 Sekunden und einen Verbrauch im Stadtverkehr von 6,1 Litern. Diese überzeugenden Fahr- und umweltfreundlichen Verbrauchswerte sind nicht nur auf die optimale Verbrennung des Motors und den geringen Luftwiderstand (cW) von 0,39 zurückzuführen, sondern auch auf das geringe Gewicht des Fahrzeugs.

Wobei hier noch das Material des Motors – die Aluminiumlegierung – zu dieser Leichtigkeit beiträgt. Sein Gewicht: 69 kg!

(c) Stefan Gruber

1983 war er das leichteste Einlitertriebwerk der Welt. Dadurch hilft er mit, dass das geringe Gesamtgewicht von nur 645 kg erreicht werden kann. Damit ist der Micra rund 100 kg leichter als seine zeitgenössischen Konkurrenzfabrikate.                                                                        

Die Ausstattung

Bei der Ausstattung blieb Nissan der Tradition treu. Japanische Fahrzeuge waren damals – bezogen auf ihre europäischen Mitbewerber – überkomplett ausgeführt. Getönte Scheiben, Halogenscheinwerfer, Intervallscheibenwischer, geteilt umlegbare Rücksitzlehnen, 2 innenverstellbare Außenspiegel, Tageskilometerzähler, Fernbedienung für die Heckklappe und vieles weitere war in jedem Micra ohne Aufpreis dabei.

(c) Stefan Gruber

Witziges Detail für Freunde und Kenner japanischer Fahrzeuge der 80er-Jahre: Wie in beinahe allen anderen japanischen Autos dieser Zeit findet man im Micra die obligatorische Digital-Quarzuhr mit grünen Ziffern.  

Besonderheit bei der ersten Serie des Micra: Die hochlehnigen Sitze mit fix integrierten Nackenstützen.

Kurios im Bezug zur sonstigen Vollausstattung: Beim Getriebe wurde, zumindest bei den Ausführungen in Österreich, gespart. Nissan sparte hier den 5. Gang und Micra-Piloten steht ein lang übersetztes 4-Ganggetriebe zur Verfügung. Erst nach dem 1. Facelift 1986 sollte sich das ändern.

(c) Stefan Gruber

Der Micra fand sofort viele Käufer, die zuerst einmal der sensationell niedrige Kaufpreis von 91.800 Schilling in die Verkaufsräume lockte. Seine Qualitäten sprachen sich danach unter seinen zufriedenen Besitzern um, sodass der Micra sehr bald eine fixe Größe im Kleinwagensegment wurde. 

Das 1. Facelift 1986

Neben kleinen optischen Retuschen und Änderungen bei der Ausstattung konnte man ab 1987 den Micra auch fünftürig bestellen, was den Praxisnutzen ungemein erweitert. Außerdem wurde durch die Einführung der Katalysatorenpflicht der 1,0 Litermotor vom 1,2 Litermotor mit 55 PS ersetzt. Nun kam auch endlich das Fünggangetriebe zum Einatz.

(c) Stefan Gruber

Durch die Kombination stärkerer Motor und zeitgemäßes Fünfganggetriebe ergaben sich souveränere Fahrleistungen. 150 km/h Spitze und in 15 Sekunden auf 100 waren durchaus Werte der größeren Kompaktklasse. Damals wurden viele Micras auch als Erstfahrzeuge und nicht nur als Zweitwägen genutzt, da sich durch die neu eingeführte Katalysatortechnik alle Fahrzeuge durchschnittlich um 10.000 bis 15.000 Schilling verteuerten. Und so spitzten manche Kunden den Rechenstift, kalkulierten scharf und kamen so zum Schluss, beim Auto eine Klasse kleiner zu ordern als bisher. Der Micra war damals, zumindest zeitweise, das bestverkaufte Nissanmodell. 

Das 2. Facelift 1989 – Die Mousefamilie

Wie gerade erwähnt, die Micras verkauften sich wie geschnitten Käse, Verzeihung, Brot. Bei der Technik und Optik wurde wieder ein bisschen nachgeschärft, aber im Wesentlichen wurde am bewährten und ausgereiften Grundkonzept nichts geändert.

(c) Stefan Gruber

Beim kleinsten Nissan hatten damals die Werbestrategen ein gutes Händchen für optimale Vermarktung. Es gab immer wieder Sondermodelle, die den Verkauf noch mehr ankurbelten. Doch nun trafen sie richtig ins Schwarze!

Der Micra wandelte sich zur Mouse. Zur Micra Mouse!

Das Basismodell hieß nun nicht mehr profan „LX“, sondern Mouse. Dazu gesellten sich die Aeromouse mit Glashubdach und die legendäre Supermouse! Ein 55 PS Kleinwagen mit Rundumverspoilerung und Sportschalensitzen innen. Was im ersten Moment irgendwie absurd wirkt, ist aber real sehr charmant, und es wurden sehr viele Micra Supermäuse unter das autofahrende Volk gebracht. Und dem Micra  gelang hier mit seiner witzigen Vermarktung, was in Österreich nur wenigen Fahrzeugen japanischer Herkunft beschieden ist: Ein klassenloses Mobil mit hoher Wiedererkennung. Selbst Leuten, denen Autos überhaupt nicht wichtig waren, war die Micra Mouse ein Begriff, und der Micra erreichte ein bisschen einen  liebenswerten Kultstatus. Natürlich nicht zu vergleichen mit dem anderen fahrenden Getier wie Käfer und Ente, aber zumindest in der Armada seiner Mitbewerber hatte die Micra Mouse eine tierische Alleinstellung. Selbst die Dreistufenautomatik, die parallel zum 5 Gangschaltgetriebe angeboten wurde, wurde werbewirksam als „Mousematic“ angepriesen.

(c) Stefan Gruber

In Europa wurde der Micra K10 in erster Linie als praktischer, zuverlässiger Kleinwagen wahrgenommen. Zwar mit originellen Ausstattungsoptionen, wie zum Beispiel einem Faltschiebedach, das so jetzt auch beim aktuellen Fiat 500 auf Wunsch zu haben ist, aber besonders spannende, oder wirklich sportliche  Modelle des Micra gab es hierzulande nicht. Jedoch in Japan, wo der Micra als March lanciert ist. Und hier sollte man sich noch 3 besondere Ableger des March genauer ansehen.

Der Super Turbo

Legendär ist der March Super Turbo. Mit einem Twincharger als Antrieb. Und das im Jahre 1989. Der Vierzylindermotor, 930ccm klein, bekam einen Kompressor für den Durchzug im unteren Drehzahlbereich, und für die Kraft im oberen Drehzahlbereich sorgte ein Turbo. Heraus kommen 108 PS, die eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 7,7 Sekunden ermöglichen und den March Super Turbo 179 km/h schnell werden lassen. Das Kraftpaket mit dem in japanischen Motorsportkreisen kultigen MA09ERT-Motor wurde 10.000 Mal verkauft. Der March kann also auch sehr sportlich!

(c) Nissan

Der March kann auch retro! 

1987 und 1989 wurden für den japanischen Markt im Stile der 50er-Jahre in kleinen limitierten Auflagen auf der technischen Basis des March der einfach gehaltene Pao und luxuriöse Figaro mit Faltdach verkauft.

(c) Nissan

Es gab eine so große Nachfrage nach dem Figaro, dass die Kunden per Losverfahren ermittelt wurden. Es haben auch einige dieser rechtsgelenkten „Retro-Micras“ durch enthuastische Fans den Weg nach Europa geschafft, wo sie im Oldtimeralter sehr gesucht sind und sich zu hohen Preisen auch vereinzelt finden lassen.

(c) Nissan

Doch zurück zum europäischen Micra, der er ja auch im Sinne der wirtschaftlichen Wertschöpfung ist. Alle K10 Micras, die für den europäischen Markt bestimmt waren, wurden auch in Europa, in Spanien, produziert. Der letzte Micra der ersten Generation rollte am 21.12. 1992 vom Band.

Die 2. Generation des Micra, der K11

Werbewirksam erzählte der gesamtverantwortliche Leiter Tokuichiro Hosaka , er habe bei der Konzeption des Micra einen Hundewelpen vor Augen gehabt. Tatsächlich wirkt das Auto knuddelig, musste aber nicht über den „Kuschelfaktor“ verkauft werden. Der Micra hat mit seinem simpleren Vorgänger nichts gemein. Sogar der Produktionsort wechselte von Spanien nach Großbritannien nach Sunderland, wo fast alle Nissans für den europäischen Markt schon damals gebaut wurden.

(c) Stefan Gruber

Clean and green und Hightech.

Schon bei seiner Planung dachte man an sein Ende. Mehr als 80% des Autos sind zur Wiederverwertung geeignet. Bei der Produktion in der Fabrik wurde nun die Ressourcenschonung groß geschrieben. Als eines von vielen Beispielen sei hier die zusätzliche Isolierung der Trockenöfen in der Lackstraße erwähnt, wodurch immens viel Energie eingespart wurde.

(c) Stefan Gruber

Der Micra selbst hat 2 Katalysatoren! Der erste ist dicht beim Motor angebracht, damit schon in der Aufwärmphase die Abgase gereinigt werden können, bevor der zweite Katalysator auch durch genügend heiße Abluft wirksam zu filtern beginnen kann. Das war einmalig in der Kleinwagenklasse.

Auch sonst sind die Motoren Hightechaggregate. 16-Ventiltechnik, 2 obenliegende Nockenwellen, sequentielle Multipointeinspritzung. 2 Benziner, 1,0 und 1,3 L von 55 bis 82 PS. In den späten 90ern wurde auch ein 1,5 L Diesel mit 57 PS von Peugeot zugekauft, da Nissan den Trend zum Dieselmotor schlichtweg verschlafen hat und nichts Entsprechendes im Portfolio hatte. Warum von Peugeot? Das war noch knapp vor dem Zusammenschluss mit Renault. Die Kraftübertragung erfolgt über ein Fünggangschaltgetriebe oder über eine stufenlose Automatik. Die heißt nun nicht mehr Mousematik, sondern N.CVT. Auch das Fahrwerk mit Einzelradaufhängung vorne und einer Verbundlenker-Hinterradaufhängung ist sehr ausgewogen abgestimmt. Der Micra vermittelt ein erwachsenes, solides Fahrgefühl und bringt einen Verarbeitungsgrad mit, der in der Kleinwagenklasse beispielgebend war.

(c) Nissan

Pressespiegel

In den frühen 90ern meinten einige Motorjournalisten, wenn Mercedes einen Kleinwagen bauen würde, wäre er so wie der Micra. Der Micra heimste 1993 als erster Japaner den europäischen Autojournalistenpreis „Auto des Jahres“ ein.

(c) Nissan

Diese hohe Wertigkeit des Fahrzeuges hatte natürlich seinen Preis. Nach anfänglichen Verkaufserfolgen ebbte die Nachfrage ab, und Nissan schnürte zum ersten Facelift Ende 1995 wieder günstige Ausstattungspakete.

Die Mousefamilie ist zurück!

Funkymouse, Supermouse und Safetymouse führten wieder auf die Erfolgsstraße, und die Micramäuse waren sehr präsent. Bis 2002 wurden in Sunderland rund 1,4 Millionen K11 Micras für Europa produziert.

Sprechen Sie Micra? Der K12.

Die dritte Generation des Micra wurde mit einer aufwändigen Werbekampagne dem Publikum präsentiert. Kunstwörter ebneten dem modernen aber retro-inspirierten Micra den erfolgreichen Weg in die Zulassungsstatistiken. „Modtro“ setzt sich aus modern und retro zusammen. „Simpelligent“ vereint die Begriffe von simpel und intelligent. Schlüsselloses Zugangssystem, großzügig bemessener Innenraum, Benzin-16-Ventilmotore von 65 bis 88 PS, moderne direkteinspritzende Turbodiesel vom Konzernpartner Renault von 65 bis 86 PS deckten die Bedürfnisse der Kunden gut ab.

(c) Stefan Gruber

Der Micra 160 SR.

Eine quicklebendige Spaßgranate ist der 160 SR mit 1,6 Liter 16V Benzinmotor und 110 PS. Aber er konnte sich nicht beim anvisierten Publikum durchsetzen, da der K12 nicht mehr das klassenlose Image des ersten Micra hatte und mittlerweile als reines Frauenauto wahrgenommen wurde.

Der Micra C+C, das Coupé-Cabriolet

Auch hier wurde nach anfänglichen Verkaufserfolgen der nächste Flop in dieser Micra-Generation eingefahren. Auch wenn die Verarbeitung und das Fahrerlebnis in diesem Coupé-Cabriolet einwandfrei sind und Fahrvergnügen zu einem vergleichsweise günstigen Preis angeboten wurde, konnte es sich nicht etablieren. Zu sehr polarisierte die Optik diese Blechdachcabriolets.

(c) Nissan

Einige ungewohnte Verarbeitungsmängel, wie zum Beispiel gelängte Steuerketten bei den weitverbreiteten 1,2 Liter Benzinmotoren, waren neu bei Nissan und ließen Kunden abwandern.

(c) Nissan

Dennoch wurden von 2003 bis 2010 fast eine Million K12 Micras in Sunderland für den europäischen Markt gebaut.

Der Pragmatiker. Das Weltauto. Der Micra K13.

Nachdem der Versuch, den Micra K12 als Lifestyle-Auto zu verkaufen, nicht so richtig geglückt ist – mit großem Aufwand wurden zwar über die gesamte Laufzeit gute Verkaufszahlen erzielt, aber der große anvisierte Erfolg blieb aus – gingen die Marketing-Strategen von Nissan einen ganz anderen Weg.

(c) Stefan Gruber

Der K13 wurde nicht wie seine Vorgänger auf die verschiedenen Bedürfnisse der unterschiedlichen Märkte adaptiert, sondern es gab nur noch ein Modell, das in 160 Ländern verkauft wurde. Ausschließlich 5-türig und erstmals mit 3-Zylinder-Benzinmotoren und kein Diesel. Diese Generation ist ein durchaus solides Fahrzeug, welches im Alltag überzeugt. Aber an Kleinigkeiten merkt vor allem der verwöhnte europäische Fahrer den mangelnden Feinschliff. Der Innenraum ist für Großgewachsene in der Kopffreiheit knapp bemessen, es fehlen gewohnte Haltegriffe, Leselampen, Ablagen und sonstige Kleinigkeiten. Der 1,2 Liter 3-Zylinder liefert als Sauger 80 PS und ist mit 5-Gangschaltgetriebe im Kurz- und Mittelstreckenbereich ein passender unaufgeregter Antrieb.

(c) Stefan Gruber

Etwas Farbe ins Spiel bringt der auch am Anfang angebotene 1,2 Liter 3-Zylinder mit Kompressoraufladung und 98 PS. Testfahrer berichteten von einem sportlichen Aggregat, welches im Micra einiges an Fahrspaß vermittelt. Doch mangels Nachfrage wurde diese interessante Motorisierung wieder aus dem Programm genommen.

Bei dieser 4. Generation des Micra führte man in Österreich gegen Ende des Modellzyklus wieder die Mousefamilie ein, als Reminiszenz an die erfolgreichen Vorgänger der ersten und zweiten Generation.

(c) Stefan Gruber

Doch der große Erfolg in Europa blieb wieder aus, und man ließ die Produktion der in Indien für Europa bestimmten Micras Ende 2016 auslaufen.

Der Kantige. Der K14.

Seit 2017 wird der aktuelle Micra in Europa verkauft und kommt auch wieder aus Europa. Aber diesmal nicht aus Spanien oder gar wieder Sunderland in Großbritannien, sondern aus Frankreich. Er rollt gemeinsam mit seinem Konzernbruder Renault Clio im Renault-Werk in Flins vom Band.

(c) Stefan Gruber

Der Micra K14 ist wieder auffällig gezeichnet, bietet viele Ausstattungspakete und Möglichkeiten der individuellen Personalisierung des Fahrzeugs und hat ein breites Motorenangebot. 4 Zylinder-Turbo-Diesel mit 90 PS, 3-Zylinder-Benziner ohne und mit Turbo von 73 bis 117 PS konnten mit 5-, und erstmals in einem Micra, 6-Gangschaltgetriebe und optional mit stufenloser Automatik kombiniert werden. Aufgrund von Abgasbestimmungen und Flottenverbrauchsabgaben gibt es den Micra seit 2021 nur noch mit einem 92 PS 3-Zylinder-Turbobenziner.

Resümee

Seit 40 Jahren behauptet sich der Kleinwagen Micra in seinem Segment. Kleinwagen? Der Micra ist im Laufe der 4 Jahrzehnte gewachsen. Von 3,64 m auf aktuell 4,00 m. Damit ist er größer als vor 40 Jahren der Kompaktwagen Cherry mit 3,96 m. Die Geschichte wiederholt sich…

(c) Stefan Gruber

Wird die nächste Micra-Generation noch größer? Wird es überhaupt eine nächste Micra-Generation geben? Man munkelt, diese Reihe soll eingestellt werden. Es ist sehr vieles im Wandel.

Aber jetzt einmal:“ Happy birthday, Micra Mouse!“  

Bildergalerie: 40 Jahre Nissan Micra
Empfohlene Beiträge auf Autoguru.at:
Schlagwörter
Autoguru.at auf Facebook
Diesen Beitrag teilen:
Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on pinterest
Share on xing
Share on whatsapp
Scroll to Top