Roadtrip mit dem Chevrolet Tahoe

Wir waren mit einem der letzten typischen US-Full-Size-SUVs im Westen der USA auf einem Roadtrip unterwegs und verraten, wie angenehm es sich mit dem V8-SUV reisen lässt.

Der Chevrolet Tahoe zählt zu den letzten typischen Full-Size-SUV der alten Garde. Wir konnten noch mit einem der letzten Modelle der aktuellen Generation einen Roadtrip unternehmen, bevor mit der neuen Generation viele lieb gewonnene Details verschwinden, allen voran der seit Jahrzehnten bei US-Autos typische Automatikwahlhebel hinter dem Lenkrad.

(c) Stefan Gruber

Auf einem ausführlichen Roadtrip über knapp 2.000 Meilen haben wir den fast nagelneuen Tahoe Baujahr 2020 über endlos lange US-Highways, hohe Bergstraßen und durch große US-Städte bewegt.

Die Reise führte uns von Las Vegas, über Mammoth Lakes, den Lake Tahoe, San Francisco, dem Highway No. 1 nach Las Angeles und retour nach Las Vegas.

Eigentlich hätten wir von Las Vegas aus noch ein paar Canyons besuchen wollen, leider hat uns dort aber die COVID-19-Krise erreicht und uns frühzeitig zur Heimreise gezwungen. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an die Chinesen, die den derzeitigen Status der Welt verursacht haben, entweder weil der Virus aus einem Labor entkommen ist, oder weil sie jedes Vieh, das ihnen über den Weg läuft, fressen müssen – je nachdem welche Variante man glauben mag. 

(c) Stefan Gruber

Dabei hat alles sehr gut begonnen, und der mit knapp 3.800 Meilen am Tacho noch sehr jungfräuliche Chevrolet Tahoe 5,3 V8 Premier hat uns am Flughafen von Las Vegas für unseren Roadtrip erwartet.

Mit einer Länge von 518 cm, einer Breite von knapp über 200 cm und einer Höhe von knapp 190 cm ist der Tahoe für unsere Verhältnisse schon ein sehr mächtiges Fahrzeug, auf den großzügig dimensionierten US-Straßen wirkt er aber dennoch nicht übermäßig groß, ganz im Gegenteil.

(c) Stefan Gruber

Warum die Amerikaner diese Fahrzeuge so lieben, wird einem sehr schnell klar. Die Distanzen, die man in Amerika zu bewältigen hat, sind ganz andere als bei uns. Ein bequemes und kraftvolles Fahrzeug ist quasi überlebensnotwendig, wenn man in den USA unterwegs ist.

Vor allem, da das Land so abwechslungsreich wie groß ist und man ständig andere Gegebenheiten vorfindet. Von der quirligen Glitzerstadt Las Vegas in der Wüste von Nevada sind wir über große Highways und verlassene Bergstraßen ins winterliche Mammoth Lakes in der Nähe des Yosemite National Park gefahren. In nur einem Tag hat man so gleich drei Klimazonen durchfahren.

(c) Stefan Gruber

Der 5,3 Liter-V8 mit einer Leistung von 360 PS (265 kW) hat dabei schon auf den ersten Metern mit einer Laufruhe überzeugt, die man sonst selbst bei Luxusautos aus Deutschland nur schwer findet. Überhaupt hat der Chevy mit einer Fülle an Tugenden überrascht, die man US-Autos nicht unbedingt zuordnet.

Die Geräuschdämmung ist so sensationell, dass man selbst bei hohem Highway-Tempo im Innenraum weder Motor-, noch Abroll-, noch Windgeräusche wahrnimmt. Dazu gesellen sich eine Top-Verarbeitung und eine Ausstattung, die keine Wünsche offen lässt.

(c) Stefan Gruber

Unser Tahoe in Premier-Ausstattung konnte mit klimatisierten Ledersitzen, Lenkradheizung, Keyless-System, elektrischer Sitzverstellung, modernem Infotainmentsystem und jeder Menge Ablagen aufwarten.

Alleine die Ablage unter der Mittelarmlehne zwischen den Vordersitzen kann es gefühlt vom Platz her mit so manchen Sportwagen-Kofferraum aufnehmen. Immerhin konnten wir eine Spiegelreflexkamera mit Objektiv und viele andere Dinge des täglichen Bedarfs sicher verstauen und vor neugierigen Blicken schützen.

Die auf Komfort ausgelegte Federung hat uns ebenfalls vom Start weg begeistert, ebenso die fein schaltende 6-Gang-Automatik, die mit sanften Schaltvorgängen aufwarten kann.

(c) Stefan Gruber

Im winterlichen Mammoth Lakes hat der Tahoe auch ohne Allradantrieb gut die Kraft auf die Räder gebracht.

(c) Stefan Gruber

Am nächsten Tag haben wir mit dem Chevrolet Tahoe einen Abstecher zum Lake Tahoe gemacht, dabei haben wir hohe Berge überwinden müssen. Auch hier hat der Chevrolet V8 sein ganzes Potenzial ausspielen können. Selbst große Steigungen sind ohne Probleme zu bewältigen gewesen, auch wenn das maximale Drehmoment von 519 Nm erst bei 4.100 U/Min bereit steht.

(c) Stefan Gruber

Das verwundert etwas, denn schon von unten heraus entwickelt der V8 eine enorme Kraft, so dass man stets das Gefühl hat, dass schon sehr früh viel Drehmoment zur Verfügung steht.

Der weitere Weg hat uns nach San Francisco geführt, wo wir den Spuren von Bullitt gefolgt sind und die hügeligen Straßen mit dem Tahoe erklommen haben. Auch hier hat sich gezeigt, dass V8-Power durch nichts zu ersetzen ist.

(c) Stefan Gruber

Die Straßen von San Francisco schauen auf Fotos schon sehr steil aus, in der Praxis fühlen sie sich aber nochmals steiler an, was für den Tahoe aber natürlich keinerlei Problem dargestellt hat.

Zur großen Überraschung war der Tahoe auch wendiger, als man es von einem Auto dieser Größe erwarten sollte. Den Amerikanern muss man aber auch zugute halten, dass die Städte danach konzipiert sind, dass das Auto zum Leben gehört, –  nicht wie bei uns, wo alles nur Menschenmögliche getan wird, um das Auto aus der Stadt zu verbannen.

(c) Stefan Gruber

Es war ein wirklich wunderbares Erlebnis, über mehrere auf einer Straße liegende Ampeln mit grüner Welle durchzufahren, so etwas erlebt man in Österreich ja in keiner großen Stadt. Unsere Reise hat uns danach über den wunderschön gelegenen Highway No. 1 nach Los Angeles geführt, wo wir ebenfalls mit dem Auto wunderbar vorangekommen sind.

Auch hier wieder das gleiche Bild wie in San Francisco: Grüne Welle und keine Staus, selbst zu Stoßzeiten. Lediglich auf der Gegenfahrbahn hatten wir einmal einen Stau gesehen, dies aber auch nur, weil es eine kleine Massenkarambolage mit rund 15 Autos gegeben hat.

(c) Stefan Gruber

Unser Roadtrip hat uns dann von Los Angeles zurück nach Las Vegas geführt, wo wir eine sehr positive Bilanz über den Chevrolet Tahoe ziehen konnten.

Nach dieser Etappe fällt es einem nicht schwer zu verstehen, warum die Amerikaner nicht von ihren großen Autos abkommen wollen und werden. Zudem verstehen sie es, das Auto als lebenswichtiges Transportmittel zu akzeptieren, und kein Politiker, der nicht lebensmüde ist, würde sich trauen, dies in den USA in Abrede zu stellen.

(c) Stefan Gruber

Wie positiv es sich auf die Umwelt auswirkt, das Auto einfach zu akzeptieren und dessen Vorankommen so unkompliziert wie möglich zu gestalten, hat auch der Verbrauch bei unserem Tahoe gezeigt.

Trotz nicht wirklich schonender Fahrweise, teilweise extremen Bergen und viel Stadtverkehr sind wir im Schnitt mit 10,4 Liter über die Runden gekommen. Kein schlechter Wert für einen 360 PS starken V8-Benziner dieser Größenordnung.

(c) Stefan Gruber

Zu verdanken ist das nicht nur der Auslegung des Fahrzeugs, sondern vor allem der Tatsache, dass man in Städten nicht alle 50 Meter ausgebremst wird und wieder anfahren muss, so wie es in Wien der Fall ist.

Neidisch wird man auch, wenn man auf den Preis des Chevrolet Tahoe in den USA blickt. Der Listenpreis unseres Tahoe war 62.995,- US$, also umgerechnet rund 58.000,- Euro. Dafür bekommt man bei uns nicht einmal einen SUV einer Klasse unterhalb des Tahoe. Zudem zahlt man pro Jahr für dieses Fahrzeug in den USA weniger Steuern als bei uns für einen 150 PS starken VW Golf.

Schade, dass unser Roadtrip frühzeitig geendet hat, wir wären noch gerne weitere 2.000 Meilen mit dem wirklich wundervollen Chevrolet Tahoe unterwegs gewesen.

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