Hyundai Nexo Level 6 – Testbericht

Der Hyundai Nexo ist als Wasserstoff-Elektrofahrzeug noch ein Exot auf unseren Straßen. Wir verraten in unserem Test, wo die Vorzüge liegen und warum wir uns nicht mehr trennen wollten.

(c) Stefan Gruber

Während andere Hersteller sich wie ein Schnitzel freuen, dass sie 2020 ihr erstes Elektrofahrzeug auf den Markt bringen, hat Hyundai schon die zweite Generation eines Wasserstoff betriebenen Fahrzeugs im Programm.

Im Vergleich zum Vorgänger, dem ix35 Fuel Cell, ist der Nexo ein komplett eigenständig entwickeltes Fahrzeug, das auch vom Format her über dem ix35 positioniert ist.

Optisch besticht der Nexo mit seinen klaren Linien und einem sehr markanten Lichtdesign. Er wirkt nicht zu futuristisch, zeigt aber dennoch, dass man ein ganz besonderes Fahrzeug vor sich hat.

Das Besondere am Nexo ist aber nicht sein schönes Design, sondern die Antriebsform. Eine Brennstoffzelle erzeugt aus Wasserstoff elektrischen Strom, der dann den E-Motor mit Strom versorgt.

(c) Stefan Gruber

Der Vorteil ist, dass man lokal emissionsfrei unterwegs ist und die Reichweite deutlich über jener von Elektroautos liegt. Nach WLTP-Norm soll der neue Nexo eine Reichweite von bis zu 660 Kilometern haben.

Ein weiterer Vorteil ist, dass man den Wasserstoff so leicht und schnell tanken kann, wie man es von Benzin oder Diesel betriebenen Fahrzeugen gewohnt ist. Damit vereint der Nexo die Vorteile von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor mit jenen von Elektroautos, ohne die jeweiligen Nachteile zu haben.

Der einzige Haken ist, dass die Gewinnung von Wasserstoff (noch) recht aufwändig ist und es recht wenige Wasserstofftankstellen gibt. Die Vorteile gegenüber einem Batterie betriebenen Elektroauto sind aber dennoch riesig.

(c) Stefan Gruber

Vor allem, wenn man wie wir jetzt erstmals mit einem Wasserstoff betriebenen Fahrzeug unterwegs war, wird man die Vorzüge noch mehr schätzen.

Der Permanentmagnet-Elektromotor leistet im Nexo 163 PS (120 kW), was für wirklich sehr ansprechende Fahrleistungen mit dem SUV ausreicht. Wer die volle Leistung abruft sprintet in nur 9,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h und ist bis zu 179 km/h schnell unterwegs.

Das maximale Drehmoment vom Start weg liegt bei 395 Nm, wodurch man der König beim Ampelsprint ist. Lediglich deutlich stärkere Elektroautos können es noch mit dem Nexo auf den ersten Metern aufnehmen.

(c) Stefan Gruber

Während die E-Auto-Fahrer aber nach spätestens 400 Kilometern stundenlang an der Ladesäule stehen, fährt der Nexo-Fahrer noch 260 Kilometer weiter und tankt dann in wenigen Minuten für die nächsten 660 Kilometer auf.

Im Innenraum bleibt es wie bei einem Elektroauto stets flüsterleise, und selbst bei Autobahntempo dringen nur ganz leichte Windgeräusche in den Innenraum vor. So hat man auch noch Premium-Feeling der Luxusklasse beim Fahren.

Der Fahrer kann via Wippschalter am Lenkrad auch die Stärke der Rekuperation festlegen, wodurch die Effizienz weiter gesteigert werden kann.

(c) Stefan Gruber

Durch den niedrigen Schwerpunkt liegt der Nexo natürlich perfekt auf der Straße und vermittelt viel Fahrspaß, trotz der sehr komfortabler Federung, die Bodenunebenheiten wegfiltert, als wären gar keine da.

Der Innenraum selbst zeigt sich sehr modern mit einem futuristischen Touch und hochwertigen Materialien.

Vor dem Fahrer befindet sich ein 7“-Digitalcockpit und auf der Mittelkonsole ein 12,3“-Touchscreen, der mit einer gestochen scharfen Darstellung und einer schönen Grafik aufwarten kann. Die Mittelkonsole wirkt mit den vielen Knöpfen vielleicht auf den ersten Blick überladen, ist aber dennoch intuitiv und auf Anhieb leicht zu bedienen.

(c) Stefan Gruber

Es gibt auch sehr viele Ablagen, und man fühlt sich von der ersten Sekunde an sehr wohl an Bord des Nexo, der auch mit einer überkompletten Ausstattung aufwarten kann.

So sind unter anderem klimatisierte Ledersitze, ein KRELL-Soundsystem, ein Keyless-System, ein automatischer Einparkassistent, ein Spurhalteassistent mit Autobahnassistent, ein adaptiver Tempomat und vieles mehr mit an Bord.

Ein Highlight ist sicher auch der Toter-Winkel-Assistent mit Monitor im Digitalcockpit. Sobald man den Blinker setzt, wird ein Bild im Tacho eingeblendet, so dass man auf einen Blick in den Rückspiegel verzichten könnte.

(c) Stefan Gruber

Auch sehr praktisch: Wenn ein anderes Fahrzeug zu knapp parkt, kann man via Fernbedienung den Nexo aus engen Parklücken per Knopfdruck ausparken lassen. Keinen Grund zur Klage gibt es auch beim Platzangebot, selbst im Fond haben alle Passagiere genug Raum um sich.

Das Kofferraumvolumen ist mit 461 bis 1.466 Litern Fassungsvermögen ebenfalls sehr großzügig bemessen. Bleibt jetzt also noch die Frage zu klären, wo denn nun die Nachteile beim Nexo bzw. beim Wasserstoff betriebenen Fahrzeug liegen.

Auf den ersten Blick erschreckt der Nexo mit einem Preis von 78.000,- Euro, die sich aber schnell relativieren. Wer ein Elektro-SUV wie den Audi e-tron oder den Jaguar I-Pace kauft, zahlt bei weniger nobler Ausstattung und einfacherer Technik deutlich mehr, womit der Preis jetzt nicht mehr wirklich als Nachteil zu sehen sein sollte.

(c) Stefan Gruber

Bleibt noch das sehr dünne Netz an Wasserstofftankstellen, was ein wirklicher Haken ist. Man kommt zwar mit der hohen Reichweite sehr gut von einer Tankstelle zur anderen, wer jedoch keine Wasserstofftankstelle unmittelbar in seiner Nähe hat, wird mit einem solchen Fahrzeug auch wenig anfangen.

Zudem ist die Gewinnung von Wasserstoff noch sehr aufwändig und damit teuer. Der Nexo verbraucht laut Werk zwar nur 0,89 kg Wasserstoff pro 100 Kilometer (wir sind bei sehr sportlicher Fahrweise auf 1,1 kg gekommen), ein Kilogramm kostet aber rund 9 Euro. Die Kosten entsprechen damit einem Verbrauch von rund 7 bis 8 Litern Benzin pro 100 Kilometer.

(c) Stefan Gruber

Wer ein E-Auto hat und an öffentlichen Ladesäulen, wie zum Beispiel jenen von Smatrics, ladet, zahlt für 100 Kilometer umgerechnet aber bis zu 18,- Euro, da hier die Verweildauer an der Ladesäule verrechnet wird. Man kann also sagen, dass der Nexo umweltfreundlicher als ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor ist und der Treibstoff nicht teurer kommt als bei einem Auto, das im Schnitt 7 bis 8 Liter konsumiert.

Mit dem Nexo zeigt Hyundai auf jeden Fall, wie die Mobilität der Zukunft Sinn macht, für uns bleibt nur die Frage, warum Politik und viele Hersteller nach wie vor auf E-Autos setzten, anstatt Forschung und Entwicklung in Richtung Wasserstofffahrzeuge zu forcieren. Aber wie schon so oft in der Geschichte könnte sich auch in diesem Fall das schlechtere Produkt (E-Auto) gegen das bessere (Wasserstoffauto) durchsetzen.

Was uns gefällt:

Das Design, die überkomplette Ausstattung, die Sparsamkeit, der Fahrspaß, der Fahrkomfort, die Straßenlage, wie mutig sich Hyundai diesem Thema widmet

Was uns nicht gefällt:

Das Angebot an Tankstellen könnte besser sein

Testzeugnis: 

Ausstattung Sicherheit: 1

Ausstattung Komfort: 1

Verbrauch: 1

Fahrleistung: 1

Fahrverhalten: 1

Verarbeitung: 1

Platzangebot Fahrer/Beifahrer: 1

Platzangebot Rückbank: 1

Kofferraum: 1-

Ablagen: 1

Übersichtlichkeit: 1

Fact Box Hyundai Nexo Level 6

Preis in Euro
Testwagenpreis ohne Extras 78.000,00
Testwagenpreis mit Extras: 78.000,00
davon Steuern 13.000,00
Technische Daten
Leistung PS/KW 163/120
Max. Drehmoment Nm 395
Getriebe 1 Gang Automatik
Antriebsart Frontantrieb
Fahrleistung und Verbrauch
0 – 100 km/h in sek. 9,5
Höchstgeschwindigkeit in km/h 179
Durchschnittsverbrauch in kg 0,89
Reichweite in KM 660
Abmessungen und Gewichte
Länge in cm 467,0
Breite in cm 186,0
Höhe in cm (inkl. Dachgalerie) 164,0
Radstand in cm 279,0
Kofferraumvolumen in Liter 461 – 1.466
Leergewicht in kg 1.874
Zulässiges Gesamtgewicht in kg 2.340
Max. Zuladung in kg 466
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