Produktionsende vor 60 Jahren: Volvo Sport P1900

Vor 60 Jahren ist der letzte Volvo Sport P1900 vom Band gelaufen und nach Amerika verschifft worden. 

Seine Karriere war kurz, seine historische Bedeutung dennoch nicht zu unterschätzen: Der Volvo Sport P1900 schrieb Geschichte als erster schwedischer Sportwagen und als erstes europäisches Serienauto mit Karosserie aus glasfaserverstärktem Kunststoff.

(c) Volvo

Vor allem aber fungierte der agile und leichtgewichtige Zweisitzer – die Typenbezeichnung bezog sich auf das ursprünglich angestrebte Leergewicht von nur 1.900 Pounds (lb) bzw. umgerechnet 862 Kilogramm –  als perfekter Imageträger für den Einstieg von Volvo in den glamourösen Sportwagenmarkt und den Sprung nach Nordamerika.

Auf dem damals weltgrößten Markt für Premiummarken beschleunigte der rare, aber rassig designte Roadster den Verkaufserfolg des volumenstarken Volvo PV 444. Ein berechtigter Imagetransfer, denn der als „Family Sports Car“ gefeierte Volvo PV 444 lieferte die Mechanik und den zuverlässigen B14A-Vierzylinder für den Volvo Sport P1900 in einer auf 51 kW (70 PS) leistungsgesteigerten Doppelvergaser-Version. Trotzdem mangelte es dem Roadster an der für Volvo markentypischen Robustheit, weshalb die Fertigung so bald wieder eingestellt wurde.  

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Seine zukunftsweisende Kunststoffkarosserie wurde ihm zum Schicksal. Denn ihr verdankte der Volvo Sport P1900 zunächst seine Konzeption, dann den kometenhaften Aufstieg in die Sphären der aufregendsten Sportwagen der 1950er Jahre und schließlich führten die Fiberglas-Fertigungsprobleme und die hohen Kosten zum vorzeitigen Ende der Karriere von Schwedens erster sportlicher Speerspitze nach nur 67 bzw. 68 Einheiten – die Fahrgestellnummer 20 wurde nämlich versehentlich doppelt vergeben. Das stellte sich jedoch erst heraus als später die Produktionsstatistik mit den Lieferlisten abgeglichen wurde. Damit nicht genug an Kuriositäten: Die zwei Chassis mit der Nummer 20 wurden nicht wie eigentlich vorgesehen exportiert, sondern beide auf dem schwedischen Heimatmarkt zugelassen.     

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Viel bewegt hat der Volvo Sport P1900 dennoch, fehlte er doch auf keiner Produktpräsentation der schwedischen Premiummarke, die er auf diese Weise weltweit mit sportlichem Image auflud und noch begehrenswerter machte. In den USA debütierte der Roadster 1956 unter der Bezeichnung Volvo Sport im mondänen Coliseum auf der New York Auto Show. Es war eine glamouröse Premiere, der eine noch glanzvollere Promotiontour von der Ostküste an die Westküste folgte. Denn im Unterschied zu vielen anderen europäischen Sportwagen-Showstars, zeigte sich der neue Volvo Sport P1900 seinem Publikum sofort on the road. Immerhin basierte er auf dem verkürzten Chassis des soliden Volvo PV 444 und nutzte auch dessen Antriebstechnik.

Lieferant der leichtgewichtigen Fiberglas-Karosserie war der kalifornische Bootsbau-Spezialist Glasspar. Dessen innovative Fiberglas-Produktionstechniken hatten Volvo CEO und Unternehmensgründer Assar Gabrielsson überzeugt, als er 1953 den Start von Volvo auf dem US-Markt vorbereitete und dazu einen extravaganten Roadster als Leuchtturmprojekt plante.          

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Noch im selben Jahr entwickelte Glasspar erste Karosserieentwürfe für den Volvo Sport P1900 und schon im Frühling 1954 schickten die Amerikaner drei Prototypen über den Atlantik zur Presse- und Publikumspräsentation in Göteborg auf dem Flughafen Torslanda. Die Startbahn bot das perfekte Launchpodium für den zweisitzigen Roadster mit spektakulärem Kühlergrilldesign im Stil einer Jet-Turbine. So viel Temperament entfesselte der 1,4-Liter-Vierzylinder zwar nicht, aber es reichte doch für die damals überaus sportliche Höchstgeschwindigkeit von bis zu 170 km/h. Für die Fachwelt war dieser Fiberglas-Racer eine Sensation, mit der niemand gerechnet hatte, zumal sich bis dahin nicht einmal die europäischen Sportwagenspezialisten an eine Serienfertigung von Kunststoffkarosserien gewagt hatten.

Volvo hatte große Pläne mit seinem avantgardistischen Roadster, der ausschließlich für den Export vorgesehen war und neue Märkte in Nordamerika, Südamerika und sogar Afrika erschließen sollte. Dazu kündigte Volvo eine erste Serie von nicht weniger als 300 Fahrzeugen an.  Um dies zu realisieren, beinhaltete der Vertrag zwischen Volvo und Glasspar auch die Schulung von Volvo Mitarbeitern in der Produktion der Fiberglas-Karosserien, die in den drei exklusiven Lackierungen hellgelb, hellgrau und hellblau ausgeliefert wurden. Am Ende blieben die Stückzahlen des Volvo Sport P1900 aber so bescheiden, dass der offene Zweisitzer auch auf dem Heimatmarkt angeboten wurde.  

Tatsächlich betrat Volvo mit diesem ersten Serienauto aus glasfaserverstärktem Kunststoff produktionstechnisches Neuland, wie auch die werkseitigen Langstreckentests durch ganz Europa und Nordafrika zeigten. Nie konnte die Karosserie gänzlich den Qualitätsanforderungen genügen, dabei war die Auslieferung der ersten Kundenfahrzeuge schon auf Januar 1956 verschoben worden. Dieses Problem erkannte auch der 1957 neu ernannte Volvo CEO Gunnar Engellau, der deshalb im Frühling vor 60 Jahren das sofortige Produktionsende für den Volvo Sport P1900 beschloss.

Wenn der Volvo Sport P1900 heute zu den gesuchtesten schwedischen Klassikern zählt, liegt das nicht nur an seiner kleinen Auflage, sondern auch an seinem Stellenwert als erster echter Sportwagen aus Skandinavien, der im Volvo P1800 einen spektakulär erfolgreichen Nachfolger fand. Überdies war der leistungsstarke und zuverlässige Doppelvergaser-Motor des Fiberglas-Roadsters ab 1957 auch für den Volvo PV 444 lieferbar, der damit Volvo in den USA endgültig als „sensational family sports car” etablierte. Ein Nimbus, den zahllose Motorsporterfolge bestätigten.

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